Rotorblätter


In Deutschland ist es etwas problematisch an Blätter für Tragschrauber zu kommen. Heliblätter funktionieren wegen des symmetrischen Profis nicht. Man kann natürlich in USA bei www.aerobalsa.com ausgezeichnete Blätter bekommen, aber für einen 4er-Satz Blätter ~38x450mm gleich 50$ incl. Versand zu bezahlen, ist nicht so mein Fall. Zumal man vermutlich den einen oder anderen Satz bei Flugversuchen "verbraucht" ;-) .
Was bleibt also über? Natürlich: Modellbau kommt ja von "bauen"! Ergo: selbermachen...
Weil bei uns der Gyrocopter ein rechtes Stiefkind ist, liest man sich in der Autogyro-Abteilung bei RCG einfach mal gut ein. Dabei findet man auch Anleitungen, wie man brauchbare Blätter auch selber schleifen kann.

Für die Grossansichten der Pics einfach ins jeweilige Bild klicken.

Dazu baut man sich eine Schleiflehre, bei der die Kontur in einem Abstand von ~10mm um das eigentlich zu erzielende Profil herum geht.
Wichtig ist bei den Schleifklötzen der Abstand und daß der Feinschliffklotz ein klein wenig tiefer greift.
Die genaue Schleifhöhe habe ich mit GFK-Streifen entsprechender Stärke eingestellt.
Ich habe hier ein 5mm dickes, ClarkY-ähnliches Profil mit 45mm Profiltiefe vorgesehen.
Aus einem 5mm Balsabretchen und 3 Stück Kiefernleisten 5x15mm erhält man so 6 Blätter 50cm lang.
Dazu das Balsabrett auf 50cm teilen und 30mm Streifen schneiden. Dann je ein Balsa und eine 50cm Kiefernleiste auf einem flachen geraden Untergrund mit Weisslein verkleben.
Kleine Toleranzen einfach beischleifen.
Nachdem alles gut durchgetrocknet ist, kann die Produktion von Schleifstaub beginnen.
Ich habe auf einem Klotz 100er Korund, auf dem anderen 240er zum Feinschleifen.
Pro Blatt benötige ich ~20 Minuten Schleifarbeit.

Hier kann man schon den Profilansatz erkennen...
Anschliessend verschleife ich die Nasenleiste auf meinem Schleifbrett, welches ich auch für Tragflächen benutze.
Danach noch einmal mit 320er/400er Schleifpapier feinschleifen. Damit haben wir das Gröbste hinter uns ;-)
Nachdem die Blätter dann alle gleichlang sind und auch ringsherum in Form gebracht und die Befestigungslöcher gebohrt wurden, müssen die Blattwurzeln noch stabilisiert werden.
Ich tupfe mit Epoxyharz einfach auf der Unterseite 1 Lage 60er Matte, auf der Oberseite 2 Lagen 60er Matte auf. Aushärten lassen und verschleifen.
Jetzt kommt eine für den Rundlauf des Rotors wichtige Arbeit: das Auswiegen!
Die Vorgehensweise habe ich aus dem Helibereich übernommen.

Dazu jedes Blatt auf 0,1g genau wiegen.
Ich schreibe dann das Gewicht auf jedes Blatt.
Beim schwersten Blatt wird auf einer Klinge der Schwerpunkt ausgewogen. 
Dieser ermittelte Schwerpunkt wird auf die anderen Blätter übernommen.

Ich habe einen netten Nachbarn, der ist Dachdecker. Der hat mir eine Platte Blei besorgt, von dem ich aus 2mm-Streifen entsprechende Gewichte schneide.

Davon ausgehend, daß der Schwerpunkt des schwersten Blattes unterschiedlich zu den anderen Blättern ist, legen wir die leichteren Blätter wieder auf die Klinge, auf den übernommenen Schwerpunkt.
Das Blei wird so positioniert, daß das Blatt in der Wage ist. 
Ich zeichne die Position an und übernehme das Maß auf die Unterseite.
Auf die Unterseite deshalb, weil dann auch bei kleinen Ungenauigkeiten die Optik der Oberseite nicht gestört ist ;-)
Eine Fräse mit Kreuztisch ist hilfreich, um die Aussparung für das Bleigewicht auszunehmen.
Bei Gyroblättern setze ich das Gewicht einfach an die Hinterkante der Kiefernleiste.
Bei Heliblättern würde ich jetzt noch "wichten". Das heisst, daß das Blatt genau senkrecht am Schraubloch hängt. Damit wird ein Nach- oder Vorlauf weitgehend vermieden. Das ist aber beim Tragschrauber nicht ganz so wichtig.

Die Abweichung von 0,1 Gramm könnte man wohl verschmerzen. Aber es ist auch kein großer Aufwand, kurz noch einmal über das Blatt zu schleifen.
ABER über das GANZE Blatt!! Ein Ende abschleifen verändert wieder den Schwerpunkt.

Zum Abschluß kann man die Blätter bekleben oder bebügeln. Ich nehme dafür einfach Plotterfolie. Das ist preiswert und schnell.

Ich wünsche viel Spass beim Schleifen... ;-))

 



 

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